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12. September 2015 6 12 /09 /September /2015 10:29
In Not geraten - selbst schuld!

Da postet jemand auf mehreren Flohmarkt-Seiten bei Facebook für eine Freundin, deren Tochter und Enkelin in Not geraten sind. Der Schulbeginn naht und das Mädchen hat für ihren ersten Schultag weder einen Schulranzen samt Sporttascherl, noch eine Schultüte und auch sonst nichts, was den Neustart ins Schulleben versüßt. Die jeweilige Online-Plattform für diesen Aufruf ist genau richtig gewählt. Denn es findet sich dort fast immer jemand, der etwas im Keller hat, das er nicht mehr braucht und womit er noch eine Freude machen kann. Und so war es auch, es haben sich sehr viele gemeldet, die entweder konkret etwas für den Schulstart hatten oder die irgendwo was mitbekommen hatten, dass auf anderen Seiten etwas kostenlos angeboten worden ist. Die Hilfsaktion war also erfolgreich.

Was es aber immer mehr gibt, das sind hochaggressive Antworten, in denen auf – hauptsächlich Frauen verbal eingeschlagen wird. Wie kann es sein, dass man als Mutter nichts für das Kind hat? Wieso fängt man erst so spät an das zu organisieren? Wieso geht man nicht zum Amt, dort würde man 70.- Euro für einen Schulstart bekommen? Wieso kennt man nicht selbst sämtliche Hilfestellen, die es für solche Situationen gibt? Wieso würde man hier die Facebook-User verarschen? Und so weiter, und so weiter,….

Häääää???

Ich sitze davor und reibe mir verwundert die Augen. Was läuft denn da ab?

Schon klar, es sind Berge von unbewussten Übertragungen und die Aggression hätte eigentlich jemanden andern treffen sollen.

Da ist zum einen das Muttersymbol. Sie hat perfekt zu sein und ihr dürfen keine Fehler unterlaufen. Zu spät den (angeblich) wichtigsten Tag im Leben ihres Kindes organisieren, das geht schon mal gaaaar nicht.

Aber was ist, wenn schlicht und ergreifend das Leben dazwischen kommt? Beispiele: Schnellumzug kurz vor Schulbeginn / Vater verliert Stellung und zahlt keinen Unterhalt mehr, der aber eingeplant war / Depressionen, die dafür sorgen, dass alles noch schwerer zu organisieren ist als sonst schon / vier Minijobs gleichzeitig, um dennoch nicht davon leben zu können / ach, da würde mir noch vieles einfallen, was dafür sorgen kann, dass eben nicht alles ein Jahr vorher schon perfekt organisiert ist.

Dann steckt hinter diesen Angriffen etwas weiteres: Selbst Hilfe organisieren, um eben NICHT gleich zum Amt gehen zu müssen, das ist gar nicht mehr in. Für alles hat der Staat zu sorgen und man hat bitte auch den Leser in den Plattformen nicht mit der eigenen Not zu belästigen. Die Schnäppchenjagd soll Spaß machen, da stört es, wenn jemand den Tauschmarkt nutzt, weil er offen signalisiert „Für mich ist das kein Spiel, ich brauch die Dinge wirklich, um noch irgendwie klar zu kommen.“ Not hat sich zu verstecken, damit das eigene Leben lustig bleibt. Und der Staat hat das abzunehmen für Notleidende zu sorgen, so dass man es nicht mitbekommt – ein ungutes Phänomen unserer Spaßgesellschaft.

Und da dran hängt auch der nächste Punkt. Es ist interessant wie unterschiedlich Menschen reagieren, wenn Mitgefühl gefordert ist. Viele reagieren zum Glück mit Ideen, Kreativität und Hilfsbereitschaft. Aber es ist eine ziemliche Herausforderung für jemanden, wenn er diese Qualitäten noch nicht entwickelt hat. Da taucht eine Situation auf, bei der das Herz berührt werden könnte. Halte ich das aus, lasse ich mich drauf ein oder muss ich es aggressiv weg stoßen? Und den andern weg zu stoßen, das geht leicht, wenn ich mich auf die Kopf-Ebene zurückziehe und dann krampfhaft Dinge suche, wieso der andere ja selber schuld ist an seinem Elend.

Denn ist er dran „schuld“, dann kann mir selbst ja sowas nie passieren, dass ich in eine ähnliche Lage geraten könnte.

Mich hat die ausgelebte Aggression wütend gemacht und ich habe das auch so geschrieben, dass ich diese Kommentare daneben fand.

Aber erst hinterher, als ich mir bewusst gemacht hatte, was da eigentlich alles hinter solch einem aggressiven Kommentar steckt, ging mir auf, dass nicht nur das künftige Schulmäderl Hilfe braucht, sondern auch die Menschen, die mit Schilderungen nicht umgehen können, die Mitgefühl herausfordern. Und ich glaube, denen zu helfen, das dauert etwas länger als Schulranzen und Leckereien zu organisieren.

Es gibt viele Menschen, die dieser Tage ähnliche mühsame Lernprozesse zu absolvieren haben, wie diese Kommentatorinnen. Vergesst bitte nicht, dass sie ebenfalls Unterstützung brauchen auf ihrem Weg. Wenn wir eine andere, eine bessere Gesellschaft wollen, dann müssen wir sie behutsam und kontinuierlich begleiten.

Übrigens, ein wunderschönes Angebot gab es auch für das Mädchen, eine Friseurin bot einen kostenlosen Haarschnitt für diesen besonderen Tag an. Weil es jedes Mädchen erfreut, wenn es an diesem besonderen Tag schick zur Schule gehen kann. Toll!!

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Published by Tatzelwurm
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